Jahresbericht 2008 |
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| geschrieben von Dr. Fricke am 28.05.2009 |
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Jahresbericht 2008
Praxis für Nierenerkrankungen und Diabetes Bochum
Dr. Dirk Gäckler Dr. Sabine Jäkel
Dr. Lutz Fricke Dr. Bernadette Reinsch
In den letzten Jahren werden verstärkt Bemühungen unternommen, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu steigern. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, für unsere Patienten eine möglichst hohe Qualität der Behandlung zu gewährleisten. Dieser Jahresbericht soll Ihnen einen Überblick über unsere Bemühungen im vergangenen Jahr vermitteln.
Unsere Praxis behandelt im Wesentlichen Patienten mit Diabetes mellitus und Patienten mit Nierenerkrankungen. Dabei ist unser Ziel, bei den Diabetikern das Auftreten oder Fortschreiten der diabetischen Folgeschäden zu verhindern. Bei den chronisch Nierenkranken soll eine Verschlechterung der Nierenfunktion vermieden werden.
Wenn die Funktion der eigenen Nieren nicht zu erhalten ist, streben wir bei allen Patienten, die hierfür in Frage kommen, die rasche Durchführung einer Nierentransplantation an. Bei dialysepflichtigem Nierenversagen betrachten wir die Bauchfelldialyse als das Verfahren der ersten Wahl. Bei der Bauchfelldialyse lässt sich die Restfunktion der Eigennieren länger erhalten. Sollte die Durchführung oder Fortführung der Bauchfelldialyse nicht mehr möglich sein, versuchen wir eine möglichst intensive Blutwäsche mittels einer Hämodiafiltration durchzuführen. Hierbei werden zwei verschiedene Dialyseverfahren- Hämodialyse und Hämofiltration – miteinander kombiniert.
Qualität durch gute Mitarbeiter.
An erster Stelle stand für uns 2008 sicherlich die Aufnahme von Frau Dr. Bernadette Reinsch als vierte Partnerin in unserer Gemeinschaftspraxis. Frau Dr. Reinsch wurde im Bergmannsheil Bochum ausgebildet und ist bereits seit 1.5.2005 in unserer Praxis tätig. Sie ist Internistin mit dem Schwerpunkt Endokrinologie (Krankheiten der hormonbildenden Drüsen) und Diabetologie. Sie verstärkt vor allem die Betreuung von Diabetikern in unserer Praxis.
Dabei wird sie nicht nur von den anderen Ärzten der Praxis, sondern auch von unserem Diabetesschulungs- und -behandlungsteam unterstützt. 2008 haben zwei Mitarbeiterinnen aus dieser Gruppe – Frau Sandra Rattasepp und Frau Tanja Oppat – ihre Ausbildungen zu Diabetesberaterinnen erfolgreich abgeschlossen, so dass wir gemeinsam mit Frau Daniela Zimmer jetzt drei Diabetesberaterinnen in Vollzeit beschäftigen.
In unserem Dialysezentrum haben wir auch 2008 ausschließlich voll examinierte Krankenpflegekräfte beschäftigt. Die Zahl der Krankenpfleger und – schwestern ist 2008 leicht gewachsen. Neu zu unserem Team sind Jennifer Hein, Sonja Hausberg und David Jaszyk gestoßen. Unsere indische Mitarbeiterin Frau Ranju Bollmann hat uns auf eigenen Wunsch verlassen, um noch andere Länder Europas kennen zu lernen.
Wir beschäftigen derzeit insgesamt 29Krankenschwestern und 6 Krankenpfleger.
Die Praxis ist seit Anbeginn Kooperationspartner der Weiterbildungsstätte nephrologischer Zentren Rhein-Ruhr an den Kruppschen Krankenanstalten in Essen. Dort werden in zweijährigen berufsbegleitenden Kursen examinierte Krankenpflegekräfte zu Fachschwestern und – pflegern für Nephrologie und Dialyse ausgebildet. Inzwischen ist diese Schule die größte ihrer Art in Europa mit Anfragen von Schülern auch aus der Schweiz und den Niederlanden. Dr. Lutz Fricke erteilt dort nicht nur seit langem Unterricht, sondern ist seit Jahren Mitglied des Beirates, der die Schulleitung unterstützt.
2008 hat Birte Walter an dieser Schule die Ausbildung zur Fachschwester für Nephrologie und Dialyse erfolgreich abgeschlossen. Somit verfügt die Praxis inzwischen über neun Fachpflegekräfte.
Peter Malchow befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr und Sabine Cohnen hat 2008 die Ausbildung zur Fachschwester begonnen.
Ihre Ausbildung zur Mentorin (das heißt Ausbildungsschwester) hat unsere Fachschwester Michaela Bojarski abgeschlossen. Mit Schwester Michaela beschäftigen wir in unserer Praxis jetzt drei Schwestern mit dieser Qualifikation, über die auch unsere Pflegedienstleiterin Frau Simone Wolters und Frau Claudia Grunwald verfügen.
Alle Mitarbeiter der Praxis werden regelmäßig in internen Fortbildungen geschult.
Alle fünf in der Praxis tätigen Ärzte – neben den Inhabern noch die Fachärztin für Allgemeinmedizin Barbara Wöhlisch-Klärner - haben sich 2008 regelmäßig fortgebildet und besitzen ein gültiges Fortbildungszertifikat der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Besonders aufwendig sind Reisen zu Fortbildungen und Tagungen. 2008 reisten die Ärzte der Praxis dazu nach Berlin, Düsseldorf, Heidelberg, Mannheim, München, Philadelphia, Stockholm, Tübingen und San Francisco.
Seit 1998 wird von den Ärzten der Praxis ein Qualitätsforum Diabetes organisiert. In diesem Rahmen treffen sich Hausärzte und Diabetesspezialisten sechsmal im Jahr in der Praxis zu Fortbildungsveranstaltungen. Ärzte der Praxis referierten darüber hinaus auf Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte in Bochum und Bocholt. Ärzte und Schulungskräfte der Praxis wirkten an dem diesjährigen Kursus der Deutschen Diabetes Gesellschaft zur Ausbildung von Ärzten als Diabetologen im Bergmannsheil mit.
Qualität durch gute Dialyse
Im Oktober 2008 haben wir die lange Nachtdialyse eingeführt.
Ziel ist es Dialysepatienten die bestmögliche Dialysebehandlung zu bieten. Dafür wird vor allem Zeit benötigt. Je mehr Zeit für die Dialyse aufgewendet wird, desto besser kann das Blut gereinigt und desto mehr Giftstoffe können entfernt werden. Wer aber schon einmal Stunden warten oder behandelt werden musste, kann sich vielleicht vorstellen, wie schwer es ist, dreimal in der Woche an der Dialyse mehr als die üblichen vier oder fünf Stunden auszuhalten. Daraus ist die Idee entstanden, die Behandlungen nachts und damit im Schlaf durchzuführen. Wir haben allen Patienten, die medizinisch ausreichend stabil erschienen, die Aufnahme in diese neue Schicht angeboten. Dialysiert wird sonntags, dienstags und donnerstags ca. ab 22 Uhr für jeweils acht Stunden bis in den frühen Morgen. Zum Teil mit etwas medikamentöser Hilfe können alle Patienten schlafen, die sich für diese Schicht entschieden haben. Am nächsten Tag sind die Patienten ausgeschlafen und die Berufstätigen gehen zur Arbeit. Die bessere Blutreinigung macht sich nicht nur an besseren Blutwerten bemerkbar, sondern ermöglicht es uns auch, Medikamente abzusetzen (Phosphatbinder und Blutdrucksenker).
Natürlich werden auch die Patienten der langen Nachtdialyse bei uns mit Hämodialfiltration behandelt. Mit diesem Behandlungsverfahren versorgen wir alle Blutwäschepatienten, bei denen es der Gefäßzugang zulässt – dass sind bei uns über 85%. Alle unsere Patienten werden mit sterilem Dialysat behandelt und immer wenn es geht kombinieren wir Hämodialyse mit Hämofiltration – wir kennen sonst keinen, der diese hohe Dialysequalität bietet.
Wie schon in den Vorjahren haben wir einen Teil unserer Dialysegeräte – diesmal 7 - gegen Neugeräte ausgetauscht, um kontinuierlich auf dem neuesten technischen Dialysestand zu bleiben.
2008 haben wir in unserem Isolationsdialyseraum einen zweiten Dialyseplatz eingerichtet. Dieser Raum wird vorwiegend zur Dialysebehandlung für Patienten verwendet, die Infektionen mit Krankheitserregern haben, die gegen viele Antibiotika unempfindlich geworden sind (so genannte multiresistente Keime).
Neben den Patienten aus dem benachbarten Bergmannsheil haben wir auch 2008 Patienten aus anderen Bochumer Krankenhäusern (Knappschaftskrankenhaus, St. Elisabeth, St. Josef Hospital, St. Maria Hilf) während ihres Krankenhausaufenthaltes mittels Dialyse behandelt. Dadurch lernen wir rasch auch die sich verändernden Infektionsprobleme kennen. Neu war 2008 für uns das Auftreten von Keimen mit einer „extended spectrum beta-lactamase“ (ESBL), einem Enzym, das Antibiotika spaltet und damit gegen diese Keime unwirksam macht.
Jahr der Transplantationen.
2008 war für unsere Praxis das Jahr der Transplantationen. Zehn unserer Dialysepatienten erhielten über Eurotransplant vermittelt im Transplantationszentrum des Knappschaftskrankenhauses eine neue Niere.Ein Vater spendete seinem Sohn eine Niere.
Behandlungsqualität bedeutet für uns auch, möglichst vielen dafür geeigneten Patienten eine Organtransplantation zu ermöglichen.Seit Umzug der Praxis an den Bürkle-de-la-Camp-Platz imFebruar 2000wurden 45 unserer Patienten im Transplantationszentrum Bochum Nieren- transplantiert, vier Typ-1-Diabetiker davon in gleicher Sitzung Pankreas- transplantiert. Bei 10 Patienten handelte es sich um eine Lebendnierenspende durch Vater, Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Ehefrau, Ehemann oder Freundin.
In der Nachsorge nach Transplantation betreuen wir derzeit über 70 Patienten, vorwiegend Nieren- transplantierte, aber auch einzelne Herz-, Lungen- Leber und Nieren- und Pankreastransplantierte. Auf der Warteliste zur Transplantation stehen derzeit 46 Patienten.
Qualität durch regelmäßige Überprüfung- auch von außen
Wir bemühen uns, Patienten entsprechend den gesetzlichen Vorschriften und den Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften zu behandeln und uns und unser Vorgehen an die erfolgenden Veränderungen dieser Leitlinien anzupassen.
Dazu wurden die Behandlungsabläufe in möglichst vielen Praxisbereichen analysiert, festgelegt und schriftlich festgehalten. Immer wieder müssen die so festgeschriebenen Regelungen überprüft und an Veränderungen von Gegebenheiten oder Richtlinien angepasst werden. Die Einhaltung dieser festgelegten Abläufe wird immer wieder durch interne und externe Audits (Überprüfungen) überwacht.
Dass dies erfolgreich durchgeführt wird, wird durch so genannte Zertifizierungen bescheinigt.
Dialyse- und Praxisbereich sind seit 2003 nach DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert. 2008 erfolgte eine routinemäßige Überprüfung durch eine dazu zugelassene Fachfirma.
Die Deutsche Diabetesgesellschaft hat unsere Fußambulanz 2005 als „Zertifizierte Fußbehandlungseinrichtung der Deutschen Diabetesgesellschaft“ und die Praxis 2006 als „Behandlungseinrichtung Stufe 2 für Typ 1 und Typ 2 Diabetiker“ anerkannt. Auch in diesem Bereich fand 2008 ein externes Audit durch eine von der DDG beauftragte Firma statt. Die Stufe 2 ist die höchste für ambulante Einrichtungen mögliche Anerkennungsstufe. Stufe 3 gilt für stationäre Diabetesschwerpunktzentren wie das Bergmannsheil. Als konsiliarisch (beratend) tätige Nephrologen für das Bergmannsheil sind wir auch in diese Anerkennungsstufe mit einbezogen.
Regelmäßig erfolgt auch eine Kontrolle unseres Vorgehens beim Übertragen von Blut- oder Blutprodukten (Transfusion). Diese Aufgabe hat nach Ausscheiden von Herrn Prof. Dr. Krieg Herr PD Dr. Axel Stachon übernommen, der als Nachfolger von Prof. Krieg die Abteilung für Transfusionsmedizin des Bergmannsheil Bochum leitet.
Für alle diese Zertifizierungen, die mit viel Arbeit verbunden sind, ist unser Qualitätsmanagementbeauftragter Dr. Lutz Fricke zuständig.
Behandlungsergebnisse im Vergleich
Worum es eigentlich geht sind die Ergebnisse, die bei der Behandlung des einzelnen Patienten erreicht werden.
Ergebnisse sind besonders schwer zu erfassen, zu vergleichen und zu bewerten. Die erfolgreiche Behandlung einer Erkrankung kann durchaus „Zufall“ sein – der Erkrankte wäre möglicherweise ohne jegliche Behandlung genau so schnell gesund geworden. Ebenso kann ein ungünstiger Ausgang unter Umständen durch den besten Arzt und die beste Behandlung nicht zu verhindern sein („Schicksal“). So können wir auch nicht ein gutes Ergebnis versprechen, sondern nur, dass wir uns anstrengen, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Entscheidend ist häufig, wie der betroffene Patient an seiner eigenen Behandlung mitwirkt bzw. wie er die Behandlung selber durchführt. Da wir es in unserer Praxis ganz überwiegend mit chronisch Kranken zu tun haben, liegt vielfach die Behandlung in den Händen der Betroffenen, die dadurch aus passiven Patienten zu aktiven Behandlern und Experten für ihre eigene Krankheit werden müssen. Deshalb ist Patientenschulung und –information für uns ein zentraler Arbeitspunkt.
Um dennoch Aussagen über Ergebnisse möglich zu machen und damit Qualität beurteilen zu können, hat man den Vergleich zwischen verschiedenen Einrichtungen und deren Behandlungsergebnissen entwickelt. Dies wird mit dem englischen Begriff „benchmarking“ beschrieben.
Die bundesweite freiwillige Erfassung von Dialysedaten, an der unsere Praxis seit ihrer Einführung 1998 teilgenommen hat (Quasi Niere = Qualitätssicherung in der Nierenersatztherapie) wurde 2008 leider endgültig eingestellt. Die Jahresberichte sind im Internet unter www.quasi-niere.de einzusehen.
Am „Benchmarking“ von Dialyseeinrichtungen nehmen wir über das „EuCliD“-System (european clinical database) seit 2003 teil. Inzwischen haben sich auf freiwilliger Basis über 40 deutsche Dialysezentren mit 5188Dialysepatienten angeschlossen. Der jeweils letzte Bericht ist auf unserer Internetseite ( www.dialyse-bochum.de) komplett veröffentlicht. Wir gehen davon aus, dass es sich bei den teilnehmenden Zentren um diejenigen handelt, die besonders auf ihre Behandlungsqualität achten und die besonders „gut“ sein möchten.
Weil es sich um ein europaweites Programm handelt, sind auch internationale Vergleiche möglich. Weitere Daten - auch europäische Vergleiche - finden Sie im Internet unter www.dialysequalitaet.de .
Nach Zustimmung jedes einzelnen Patienten geben wir verschlüsselt und dadurch anonymisiert Behandlungsdaten an eine zentrale Auswertungsstelle weiter und erhalten von dort Berichte über einen Zeitraum von jeweils drei Monaten, in denen die Ergebnisse unserer Dialysebehandlung im Vergleich zu den anderen Teilnehmern dargestellt werden. Ziel ist es durch den Vergleich eigene Schwächen und Stärken zu erkennen und sich dadurch selber kontinuierlich im Vergleich mit anderen zu verbessern.
Unsere Dialysepatienten sind im Durchschnitt älter (71,8 gegen 67,6 Jahre) und häufiger Diabetiker (47 gegen 41,9 %). In allen Kriterien, die die Dialysequalität beschreiben, liegen wir deutlich über dem Durchschnitt der anderen Teilnehmer. Die Dialyseleistung z.B. wird an der Harnstoffentfernung gemessen. Diese entspricht bei unseren Patienten im Durchschnitt dem 1,69 fachen des Verteilungsvolumens (kt/V), beim Durchschnitt aller Patienten dem 1,5 fachen des Verteilungsvolumens.
2007 ist bundesweit eine verpflichtende Meldung von Dialysedaten eingeführt worden, ohne die keine Bezahlung der Dialysebehandlungen durch die Krankenkassen erfolgt. Diese verpflichtende Meldung betrifft deutlich weniger Daten pro Patient, als im „benchmarking“ -Verfahren erfasst werden.
Auch dieser Bericht ist auf unserer Internetseite veröffentlicht. Natürlich bestätigt sich auch hier die hohe Qualität unserer Dialysebehandlung.
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